KomMA-P im Gespräch mit Bundestagsabgeordneten

Das Forschungsprojekt »KomMA-P | Akzeptanz der Energiewende stärken« will mit seinen Forschungsergebnissen die Politik bei der Umsetzung der Energiewende beraten. Am 30. September 2015 trafen sich im Fraunhofer-Forum in Berlin Forscher*innen des Projekts zu einem Gespräch mit Bundestagsabgeordneten und Mitarbeiter*innen des Bundestags. 2 Stunden lang diskutierten sie anhand der bisherigen Forschungsergebnisse darüber, wie verschiedene Energieszenarien in der Bevölkerung bewertet werden, wie Akzeptanz und Teilhabeangebote miteinander zusammenhängen und unter welchen Voraussetzungen die Menschen bei der Energiewende mitmachen. Die Politiker*innen hatten außerdem die Möglichkeit, den Forscher*innen ihre ganz persönlichen Fragen zum Thema Akzeptanz der Energiewende zu stellen, damit diese in Zukunft bei der Auswertung stärker berücksichtigt werden können. Beide Seiten nahmen aus dem Gespräch neue Anregungen für ihre Arbeit mit. Im Frühjahr wird es eine Fortsetzung des Dialogs geben.

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Pressemitteilung | Energieflussvisualisierung geht online

Sebastian Gölz vom Fraunhofer ISE, Jörg Brinkmann, Geschäftsführer der Energiewende GmbH, Bürgermeister von Wunsiedel Karl-Willi Beck, Anne Haug (Energiewende), Gerhard Meindl und Marco Krasser (beide SWW Wunsiedel) geben den Startschuss für die Energieflussvisualisierung. Bildquelle: Frankenpost

Das Pilotprojekt „Energieflussvisualisierung“ ist nun online. In der Region Wunsiedel, am Beispiel des Ortsteils Schönbrunn, bietet das Fraunhofer ISE gemeinsam mit der SWW Wunsiedel GmbH und der Energiewende GmbH aus Nürnberg ein Internetportal, das Energieerzeugung und Energieverbrauch grafisch ansprechend zeigt. Die Idee dahinter: Je stärker die Bürger an der Energiewende beteiligt sind und verstehen, wie diese voranschreitet, desto eher akzeptieren und unterstützen sie deren Maßnahmen auch.

Presseinformation vom 4. Februar 2015

Erneuerbare Energien erzeugen nur dann Strom, wenn Ressourcen wie Sonne und Wind vorhanden sind. Häufig lässt sich die Energieerzeugung nicht an das Verbrauchsverhalten anpassen. Eine der größten Herausforderungen der Energiewende ist es deshalb, eine Balance zwischen der schwankenden Stromerzeugung durch erneuerbare Energien und der Nachfrage nach Strom zu schaffen. Ins Stromnetz muss zu jedem Zeitpunkt genauso viel Energie eingespeist werden, wie von den Verbrauchern gerade benötigt wird. Das geht aber nur, wenn die Stromnetze entsprechend ausgebaut, Blockheizkraftwerke und neue Speicher geschaffen werden. Im Forschungsprojekt »KomMA-P | Akzeptanz der Energiewende stärken« untersucht ein interdisziplinärer Verbund seit Juli 2013, wie man die Akzeptanz und Ablehnung der Bürger in die Transformation zu einem erneuerbaren Energiesystem miteinbeziehen kann. „Ingenieure, Politikwissenschaftler, Psychologen und Praxisakteure wollen die gesellschaftlichen Einflüsse untersuchen, die bei der bisherigen technisch-ökonomischen Optimierung kaum Beachtung finden“, sagt Sebastian Gölz, Diplom-Psychologe am Fraunhofer ISE und Leiter des Projekts.

Um herauszufinden, wie man die Verbraucher dazu bringt, das Zusammenspiel zwischen Erneuerbarer Energie und Netzausbau, und damit die Energiewende, besser zu verstehen und zu akzeptieren, testen das Fraunhofer ISE und die Energiewende GmbH eine neue Möglichkeit zur Teilhabe an der Energiewende: die so genannte Energieflussvisualisierung. Für den Ortsteil Schönbrunn in Wunsiedel entwickeln sie ein Internettool, das den Bewohnern einfach und verständlich und rund um die Uhr die Energieströme in ihrem Wohnort zeigt. „Wir versuchen, die lokale Energieerzeugung und den lokalen Energieverbrauch zu visualisieren, damit es für die Bewohner transparent wird, wie ihre Stromverbräuche in Relation zur lokalen Stromerzeugung stehen, wie viel überregionalen Strom sie verwenden müssen und wie hoch der Anteil an ökologischem Strom an ihrem Verbrauch ist“, erklärt Jörg Brinkmann, Geschäftsführer der Energiewende GmbH, den Zweck des Internettools.

Um die notwendigen Daten für das Online-Tool zu erhalten, misst das Forschungsteam in Schönbrunn sowohl Erzeugungseinheiten wie auch den Stromverbrauch in den Haushalten. Die erhobenen Daten fließen in Echtzeit in das Internettool ein, und die Einwohner können den Energieverbrauch und die Energieerzeugung im Ortsteil über eine interaktive Grafik live im Internet verfolgen.

Die Visualisierung soll die Endverbraucher unter anderem dafür sensibilisieren, dass erneuerbare Energien nicht immer gleichermaßen verfügbar sind. Ebenfalls soll die Energieflussvisu-alisierung verdeutlichen, dass der direkte Verbrauch lokal erzeugter Energie eine erhebliche Steigerung der lokalen Wertschöpfung bedeutet: Beispielsweise kommen die Einnahmen für den lokal erzeugten Strom direkt der Brennstoffbereitstellung bzw. der Anlageninvestitionen für die Stromerzeugung zugute und werden nicht an überregionale Energieversorger weitergegeben.

Um herauszufinden, wie die Bürger über das neue Internetangebot denken, führen die SWW Wunsiedel GmbH und das Fraunhofer ISE im ersten Quartal 2015 eine Befragung durch. Sebastian Gölz vom Fraunhofer ISE, Leiter des Projekts KomMA-P, erklärt das Ziel der Befragung: „Die Idee ist zu schauen, ob die Leute die Energieflussvisualisierung im Internet besuchen und sich dadurch tatsächlich an der Energiewende beteiligt sehen.“

Die Energieflussvisualisierung kann über die Internetseite der SWW erreicht werden. Besucher können dort den aktuellen Erzeugungs- und Verbrauchsstand für den Ortsteil Schönbrunn sehen. Mit einem weiteren Klick können sie auch für ganz Wunsiedel die Stromsituation angezeigt bekommen; spannend dabei ist, dass angezeigt wird ob Wunsiedler Strom gerade weiterverkauft wird in andere Versorgungsgebiete, oder doch ein Strombezug von außen nötig ist.

Wer es genauer wissen möchte kann sich auch historische Energieflüsse im Zeitraffer ansehen. Eine Vorhersage für die kommenden 24 Stunden gibt es für alle, die nur Strom „Made in Wunsiedel“ beziehen wollen. Auf Basis der 24h-Prognose können sie ihren Stromverbrauch in Zeiten verlagern, in denen ein Stromüberangebot besteht.

Tages- und Monatsmeldungen beispielsweise zu den wirtschaftlichen Vorteilen, die Wunsiedel durch die eigene Energieversorgung hat, runden das Internetangebot ab.

Ansprechpartner für weitere Informationen:

Projektleiter:
Dipl.-Psych. Sebastian Gölz, Fraunhofer ISE
Telefon +49 761 4588-5228
Fax +49 761 4588-9217
sebastian.goelz@ise.fraunhofer.de

SWW Wunsiedel GmbH
Rot-Kreuz-Str. 6
95632 Wunsiedel
Tel.: 09232/887-0
Fax: 09232/887-15
E-Mail: info@s-w-w.com
Geschäftsführer: Marco Krasser
Aufsichtsratsvorsitzender: Karl-Willi Beck

Pressemitteilung | Das interdisziplinäre Forschungsprojekt »KomMA-P | Akzeptanz der Energiewende stärken«

Presseinformation vom 10. September 2014

Unter der Leitung des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE untersucht ein interdisziplinärer Verbund, wie die Transformation zu einem erneuerbaren Energiesystem für die Menschen erleichtert werden kann. Partner sind das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI, das Zentrum für Interdisziplinäre Risiko- und Innovationsforschung ZIRIUS der Universität Stuttgart und das Institut für Politikwissenschaft der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Stadtwerke und andere Praxispartner ergänzen das Team. Das Projekt »KomMA-P | Akzeptanz der Energiewende stärken« wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert, erste Ergebnisse zeigen eine weiterhin große Akzeptanz der Energiewende bei der Bevölkerung.

»Ingenieure, Politikwissenschaftler, Psychologen und Praxisakteure wollen die gesellschaftlichen Einflüsse auf die Akzeptanz der Energiewende untersuchen, die bei der bisherigen Optimierung der technisch-ökonomischen Rahmenbedingungen kaum Beachtung finden«, sagt Sebastian Gölz, Diplom-Psychologe am Fraunhofer ISE und Leiter des Projekts. »Wissenschaftliche Szenarien zeigen, dass die Energiewende notwendig und machbar ist. Das Projekt KomMA-P untersucht, wie die gesellschaftlichen Aspekte in ein optimiertes Gesamtszenario eingebunden werden könnten.«

In einem ersten Schritt gewannen die Forschungspartner zunächst einen Eindruck von den Einstellungen verschiedener Fokusgruppen zur Energiewende. Die Mehrheit der insgesamt 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmer betrachtete die Energiewende als notwendig und akzeptiert auch einen gewissen Kostenaufwand. Überraschend deutlich war ein Misstrauen gegen »die da oben« spürbar, während die Stadtwerke und andere regionale Akteure eher Vertrauen genießen. Besonders kritisch werden empfundene Ungerechtigkeiten, z. B. bei der Verteilung von Nutzen und Kosten der Energiewende oder das Zustandekommen von Bauentscheidungen, beurteilt.

Um die Einbindung der Stadtwerke bei der Transformation des Energiesystems zu stärken, laufen bereits Pilotprojekte mit den Stadtwerken Wunsiedel. Eine öffentliche Visualisierung des Energieflusses in der Gemeinde und der Einsatz einer Energiebox – ein Minikraftwerk für die Strom- und Wärmeerzeugung mehrerer Haushalte – sind vorgesehen. Die Stadtwerke Münster und Dortmund planen Befragungen. Allen Aktivitäten gemeinsam ist die Frage, wie Bürgerinnen und Bürger jenseits der Geldanlage an der Energiewende beteiligt und zu deren Gelingen beitragen könnten.

Aktuell entwickeln die Partner ein Zusammenhangsmodell, das die verschiedenen Einflüsse auf die Akzeptanz bei der Bevölkerung aufzeigt, und werden auf Basis des Modells eine repräsentative Befragung durchführen. Die Ergebnisse gehen in der letzten Projektphase in Vorschläge ein, wie die technisch-ökonomischen Transformationspfade für bessere gesellschaftliche Akzeptanz optimiert werden können. Die nächste Vollversammlung der Projektpartner ist im Oktober 2014, weitere Praxispartner sind willkommen.

Ansprechpartner für weitere Informationen:
Projektleiter:
Dipl.-Psych. Sebastian Gölz, Fraunhofer ISE
Telefon +49 761 4588-5228
Fax +49 761 4588-9217
sebastian.goelz@ise.fraunhofer.de