Was zählt eigentlich alles zu den erneuerbaren Energien, woher kommt überhaupt der Begriff „Energiewende“, und was steht im EEG drin? – In unserem Glossar erklären wir die wichtigsten Begriffe und Themen der Energiewende.

Das Glossar wird ständig erweitert, sollten Sie bestimmte Begriffe besonders vermissen, schreiben Sie uns gerne eine Mail.

Um herauszufinden, wie man die Verbraucher dazu bringt, den Netzausbau, und damit die Energiewende, besser zu verstehen und zu akzeptieren, testen das Fraunhofer ISE und die Energiewende GmbH eine neue Möglichkeit zur Teilhabe an der Energiewende: die so genannte Energieflussvisualisierung.


In der Region Wunsiedel entwickelten sie für den Ortsteil Schönbrunn ein Internettool, das den Bewohnern einfach und verständlich und rund um die Uhr die Energieströme in ihrem Wohnort zeigt. So wird für die Bewohner transparent, wie ihre Stromverbräuche in Relation zur lokalen Stromerzeugung stehen, wie viel überregionalen Strom sie verwenden müssen und wie hoch der Anteil an ökologischem Strom an ihrem Verbrauch ist.


Um die notwendigen Daten für das Online-Tool zu erhalten, misst das Forschungsteam in Schönbrunn alle Erzeugungseinheiten und den Stromverbrauch in den Haushalten. Die erhobenen Daten fließen in Echtzeit in das Internettool ein.


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Unter Energiewende begreift man den Wechsel von fossilen Brennstoffen (Kohle, Gas und Öl) und Kernenergie zu erneuerbaren Energien. Erneuerbare Energien sind Energien, deren Nutzung die Quelle nicht erschöpft, oder Energien, die sich in kurzer Zeit selbst erneuern. Dazu zählen Sonnen- und Windenergie, Wasserkraft, Biomasse oder Erdwärme. Ziel der Energiewende in Deutschland ist es, den Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung bis 2015 auf 80% auszubauen. Derzeit liegt der Anteil bei etwa 25%. Außerdem soll Strom sparsamer und effizienter genutzt werden, um den Energieverbrauch insgesamt zu verringern. Der Begriff Energiewende tauchte erstmals im Jahr 1980 in einer Studie des Öko-Instituts1 auf. So wie er heute verwendet wird, wurde er im Jahr 2002 durch das Bundesumweltministerium geprägt. Das veranstaltete damals eine Tagung unter dem Titel „Energiewende – Atomausstieg und Klimaschutz“.


Nachdem sich die Bundesregierung 2010 bereits darauf geeinigt hatte, sich bis 2050 nach und nach von den fossilen Brennstoffen zu verabschieden, wurde 2011 – nach der nuklearen Katastrophe im japanischen Atomkraftwerk Fukushima – auch der Ausstieg aus der Atomenergie bis zum Jahr 2022 beschlossen. Um diese beiden Ziele zu erreichen, muss das ganze Energienetz in Deutschland umgebaut werden. Eine Vielzahl neuer Kraftwerke, Stromnetze und Speichertechnologien ist erforderlich, um den hohen Bedarf an erneuerbaren Energien zu decken. Zum Beispiel müssen die Stromnetze von Nord- nach Süddeutschland ausgebaut werden, um den im Norden von Windkraftanlagen erzeugten Strom in den Süden und Westen zu transportieren, wo an wichtigen Industriestandorten mehr und mehr Atom- und Kohlekraftwerke abgeschaltet werden. Auch braucht es mehr Speichermöglichkeiten, um den zunehmenden Anteil erneuerbarer Energien speichern zu können. Und moderne umweltfreundliche Gaskraftwerke, die in der Übergangsphase die Schwankungen bei Wind- und Sonnenenergie ausgleichen.


Dass die Energiewende notwendig ist, wird mittlerweile von einem Großteil unserer Gesellschaft nicht mehr bestritten. Zum einen, weil sich immer stärker das Bewusstsein durchsetzt, dass der Klimawandel auch eine Folge des hohen Co2-Ausstoßes ist. Zum anderen, weil sich spätestens seit Fukushima viele Menschen den Ausstieg aus der Atomenergie wünschen. Gegen die konkreten Maßnahmen der Energiewende gibt es jedoch häufig Proteste, viele Menschen wehren sich gegen den Bau von Windrädern oder Stromleitungen in ihrer Nachbarschaft. Die Frage, wie man die Akzeptanz für die Energiewende nachhaltig stärken kann, wir daher immer drängender.


1 Krause, Bossel, Müller-Reißmann: Energiewende – Wachstum und Wohlstand ohne Erdöl und Uran, S. Fischer Verlag 1980, ASIN: B0029KUZBI.

Erneuerbare Energien sind Energien, deren Nutzung die Quelle nicht erschöpft, oder Energien, die sich in kurzer Zeit selbst erneuern. Häufig spricht man auch von regenerativen oder alternative Energien. Dazu zählen Sonnen- und Windenergie, Wasserkraft, Biomasse und Erdwärme. Erneuerbare Energien stehen im Gegensatz zu fossilen Energien wie Kohle, Erdgas oder Erdöl, die eine Regenerationszeit von bis zu mehreren Millionen Jahren benötigen. Durch die Förderung und den Ausbau erneuerbarer Energien im Rahmen der → Energiewende soll der CO2-Ausstoß reduziert und die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern verringert werden.

Das „Gesetz für den Vorrang Erneuerbarer Energien“, auch Erneuerbare-Energien-Gesetz genannt oder kurz EEG, wurde im Jahr 2000 beschlossen. Es regelt die Abnahme und Vergütung von Strom, der aus erneuerbaren Energiequellen gewonnen wird. Darunter fallen Sonnen- und Windenergie, Wasserkraft, Erdwärme und Biomasse.


Das Gesetz verpflichtet die Netzbetreiber dazu, den Strom aus erneuerbaren Energien abzunehmen und den Erzeugern dafür einen auf 20 Jahre garantierten Festpreis zu zahlen. Die Höhe der Vergütung richtet sich nach der verwendeten Technologie und dem Standort der Anlage. Außerdem hat der Gesetzgeber bestimmt, dass die Abnahmepreise für neue Anlagen von Jahr zu Jahr sinken, um die Hersteller zu effizienteren und kostengünstigeren Technologien anzureizen. Alle vier Jahre werden die Tarife überprüft.


Ziel des EEG ist es, mehr Menschen dazu zu motivieren, in die Erzeugung erneuerbarer Energien zu investieren und den Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung entsprechend den Zielen Deutschlands und der EU weiter auszubauen. Beim Start des EEG stammten nur 6 Prozent des im ganzen Land verbrauchten Stroms aus Erneuerbaren Energien. 2013 waren es bereits 25%. Deutschland war das erste Land, das ein Fördergesetz für Ökostrom einführte.


Die Mehrkosten, die durch diesen Ausbau der Erneuerbareren Energien entstehen, werden nicht durch den Staat subventioniert, sondern über eine Ökostromumlage, die auf die Strompreise für die Verbraucher drauf geschlagen wird. Dadurch sind die Verbraucher gezwungen, sich entsprechend ihrem Stromverbrauch an der Energiewende zu beteiligen. Allerdings können sich besonders stromintensive Unternehmen von dieser Umlage befreien lassen – von dieser Ausnahmeregelung profitierten bisher mehr als 2000 deutsche Unternehmen, die für etwa 18% des gesamten Stromverbrauchs im Land verantwortlich sind. Nach einer Abmahnung durch die EU, die in dieser Befreiung eine Wettbewerbsverzerrung sieht, einigten sich die deutsche Regierung und die EU-Kommission im April 2014 auf eine Reform des EEG: Zwar wird es weiterhin Vergünstigungen für die Industrie bei der EEG-Umlage geben, allerdings für weniger Unternehmen als zuvor.

Photovoltaik ist eine Technologie, die Sonnenlicht direkt in Strom umwandelt. Das Wort setzt sich zusammen aus dem griechischen Wort „photos“ für Licht und „Volt“, der Einheit für elektrische Spannung. Photovoltaik wurde Ende der 1950er Jahre für die Raumfahrt entwickelt, um Satelliten und Raumstationen zu betreiben. Heute dient sie überwiegend auf der Erde zur Stromerzeugung. Photovoltaikanlagen werden vor allem auf Häuserdächern installiert.

Die Umwandlung von Sonnenlicht in elektrische Energie funktioniert mithilfe von Solarzellen. In einer Photovoltaikanlage sind immer mehrere Solarzellen zu einem Solarmodul zusammengefasst. Bei Sonneneinstrahlung erzeugen die Solarzellen elektrische Spannung, die als Gleichstrom abgegriffen werden kann. Um diese Energie in das Netz einzuspeisen, wird der Gleichstrom mithilfe eines sogenannten Wechselrichters in Wechselstrom umgewandelt

Die meisten Photovoltaikanlagen speisen ihren Strom vollständig ins örtliche Stromnetz ein. Der Betreiber der Anlage erhält dafür eine finanzielle Vergütung vom Stromnetzbetreiber. Der Stromnetzbetreiber ist gesetzlich dazu verpflichtet, den Strom abzunehmen und zu vergüten. Der Strom aus der Photovoltaikanlage kann aber auch genutzt werden, um den eigenen Strombedarf zu decken. Dann wird nur der Strom, der nicht selber verwendet wird, in das öffentliche Netz eingespeist.

Im Jahr 2013 deckte Photovoltaik 5 % des landesweiten Stromverbrauchs (alle erneuerbaren Energien zusammengenommen deckten rund 25%). An sonnigen Tagen kann PV zeitweise 30-40% des momentanen Stromverbrauchs decken. Photovoltaikanlagen kann praktisch jeder auf seinem Dach installieren. Eine Baugenehmigung ist meist nur bei denkmalgeschützten Gebäuden erforderlich.

Mit der Energiewende erfolgt die Erzeugung von Energie zunehmend dezentral. Erneuerbare Energien werden von einer zunehmenden Zahl kleiner Erzeuger in das Netz eingespeist. Um die vielen verschiedenen Quellen zu koordinieren und die Energie optimal zu verteilen, braucht es ein intelligentes Stromnetz, ein sogenanntes Smart Grid.

Das Ziel von Smart Grids ist die Balance zwischen der schwankenden Stromerzeugung durch erneuerbare Energien und der Nachfrage nach Strom. Um dieses Ziel zu erreichen, sollen Stromerzeuger und Endverbraucher vernetzt werden. Dabei spielen Smart Meter eine wichtige Rolle, intelligente Stromzähler, die die Verbrauchsdaten der Nutzer direkt an die Erzeuger übermitteln. Mithilfe dieser Geräte, so der Plan, sollen in Zukunft größere Haushaltsgeräte bei den Endverbrauchern bis zu einem gewissen Grad mitgesteuert werden, um die Nachfrage nach Strom an das aktuelle Angebot anzupassen. Waschmaschine oder Geschirrspüler zum Beispiel würden sich erst dann einschalten, wenn gerade viel Wind- und Solarenergie in das Netz eingespeist wird. Die Nutzungsverlagerung wird mit einem niedrigeren Stromtarif belohnt.

Ein Smart Meter, auch als „intelligenter Zähler bezeichnet, ist ein digitales Messgeräte für Strom oder Gas. Es speichert Verbrauchswerte regelmäßig und in Echtzeit. Der Nutzer erfährt so jederzeit seinen tatsächlichen Energieverbrauch und die tatsächliche Nutzungszeit und kann dadurch seinen Verbrauch besser steuern und Möglichkeiten zum Einsparen erkennen. Die meisten Smart Meter übertragen die Daten automatisch an den Energieversorger. Die Versorgungsunternehmen wollen diese Daten nutzen, um ihren Kunden tageszeitabhängige und auf ihren persönlichen Verbrauch zugeschnittene Tarife anzubieten. Außerdem ersparen die Smart Meter den Verbrauchern und Versorgern das Ablesen der Messdaten vor Ort.
 
Nach dem reformierten Energiegesetz von 2011 ist der Einbau von Smart Metern mittlerweile Pflicht für Besitzer von nach 2010 erbauten Neubauten, für Besitzer von umfassend modernisierten Altbauten und für Nutzer, die mehr als 6.000 Kilowattstunden im Jahr verbrauchen. Die alten Drehscheibenzähler müssen bis 2020 ausgetauscht werden. Die kosten für diesen Pflichteinbau tragen die Netzbetreiber.
 
Mit der Energiewende werden Smart Meter immer wichtiger, denn dezentrale Energieversorgung wird ausgebaut, und kleine Erzeugungsanlagen wie Blockheizkraftwerke, Photovoltaik- oder Miniwindkraftanlagen nehmen zu. Die Daten der Smart Meter helfen den Versorgern, den Energiebedarf genauer zu erfassen und die Versorgung besser zu koordinieren.

Im Projekt KomMA-P kommen ganz unterschiedliche Disziplinen und Ansätze zusammen. Um diese zusammenzuführen, entwickelten die Mitglieder des Projekts eine gemeinsame Grundlage für die Zusammenarbeit: das Zusammenhangsmodell. Dieses Modell ist kein klassisches wissenschaftliches Modell, sondern vor allem Kommunikationsinstrument: Es übersetzt die verschiedenen Ansätze in eine gemeinsame Sprache.


Im Zusammenhangsmodell sammeln die Mitglieder von KomMA-P alle Faktoren, die aus ihrer Sicht einen Einfluss darauf haben, wie die Energiewende von den Menschen wahrgenommen und bewertet wird. Dazu gehören strukturelle Elemente wie die Zusammensetzung der Bevölkerung (Alter, Bildung, Einkommen etc.), politische Instrumente wie die Gestaltung von Teilhabeangeboten, akteursabhängige Faktoren wie das Verhältnis zwischen Entscheidungsträgern aus Politik und Industrie oder übergeordnete Rahmenbedingungen wie die Entwicklung der Energiekosten. Etwa 20 Faktoren wurden in das Modell aufgenommen. Im Zentrum steht die individuelle Wahrnehmung, also zum Beispiel der Faktor, als wie fair die Energiewende empfunden wird.


Bisher zeichnet sich ab, dass vor allem ein Faktor entscheidend für die Akzeptanz der Energiewende sein könnte: die Nähe zu den Akteuren vor Ort, also zu lokalen Unternehmen, Stadtwerken, Bürgerinitiativen etc. Das Team von KomMA-P vermutet, dass die Art und Weise, wie diese lokalen Akteure die Energiewende gestalten, die Einstellungen der Bürger beeinflusst – und zwar mehr noch als die Entwicklung der Stromkosten.


141202_KomMA-P_Schema_Zusammenhangsmodell