„Wie finden Sie eigentlich die Energiewende?“ – ZIRIUS führt Gruppendiskussionen mit Bürgern

Die Frage, wie die Bürger/innen zur Energiewende stehen, ist für das Forschungsvorhaben »KomMA-P | Akzeptanz der Energiewende stärken« von zentraler Bedeutung. Ende 2013 führte das ZIRIUS-Team aus Stuttgart mehrere Gruppendiskussionen durch, um herauszufinden, was die Menschen über die Energiewende denken. Was halten sie von diesem Wandel, und welche Erwartungen und Befürchtungen verbinden sie mit der Energiewende?

Insgesamt fanden sechs dieser in der Wissenschaft als „Fokusgruppen“ bezeichneten Diskussionen statt. Jede Gruppe war anders zusammengesetzt. Die Teilnehmer wurden anhand von Merkmalen ausgewählt, von denen angenommen wurde, dass sie die Haltung zur Energiewende besonders beeinflussen: Energieverbrauch (niedrig oder hoch), Wohnbesitzverhältnis (Eigentümer oder Mieter) und unmittelbare Betroffenheit (persönliche Vorteile oder Nachteile durch die Energiewende). Insgesamt nahmen 47 Personen teil.

In den von ZIRIUS moderierten Gesprächen bestätigte sich zunächst einmal, was auch andere Studien zur Energiewende herausgefunden haben: Insgesamt gibt es sehr viel Zustimmung für die Energiewende, und sie wird von fast allen Teilnehmern als wichtig und richtig angesehen. Sobald es aber um die konkrete Umsetzung geht, also zum Beispiel durch den Zubau von Windrädern oder Stromtrassen, regt sich Widerstand. Herauszufinden, unter welchen Umständen solche Maßnahmen für die Menschen dennoch akzeptabel wären, ist für ZIRIUS eine der wichtigsten zukünftigen Aufgaben.

Die Gruppendiskussionen zeigten darüber hinausgehend, dass für die Menschen im Zusammenhang mit der Energiewende drei Punkte besonders wichtig sind: Zum einen haben viele Teilnehmer kein Vertrauen in die Politik. Sie glauben, dass die Politiker zu sehr unter dem Einfluss der Energieversorger stünden und nicht die nötige Expertise bzw. ein schlüssiges Konzept hätten, um die Energiewende zu steuern. Außerdem wünschen sie sich eine Energiewende, die fair und transparent gestaltet ist, zum Beispiel bezogen auf die Strompreise. Wobei die Teilnehmer höheren Strompreisen gar nicht so kritisch gegenüber stehen – sie müssen nur insgesamt fair gestaltet sein, und es muss sichtbar werden, wie sie zustande kommen. Schließlich haben viele Teilnehmer betont, wie wichtig ihnen ein persönlicher Gestaltungsfreiraum bei der Energiewende ist. Sie möchten Möglichkeiten haben, sich an der Energieerzeugung zu beteiligen, und bei wichtigen Entscheidungen nach ihrer Meinung gefragt werden.

Die Ergebnisse aus den Fokusgruppen sind zwar nicht repräsentativ, aber sie zeigen schon mal ein Meinungsspektrum und Argumentationen zur Energiewende. Sie liefern viele Anhaltspunkte für die konkrete Gestaltung der großen Bevölkerungsbefragung, die ZIRIUS für KomMA-P durchführen wird. Mit der Umfrage will das Team aus Stuttgart ermitteln, unter welchen Voraussetzungen die Menschen bestimmte Energiewendemodelle in Deutschland akzeptieren würden.

1 Comment
  • bernhard wening
    September 19, 2014

    Akzeptanz in der Bevölkerung ist extrem wichtig. Hinderungsgründe sollten genauestens dahingehend geprüft werden, ob diese denn Bestand haben – ( müssen)
    Beispiel : Die großen Stromtrassen. Sie werden auch von Energiewendefreunden als notwendig dargestellt, um Windstrom in den Süden zu bekommen. Der Ansatz baut darauf auf, dass dies der einzige Weg ist.
    Läßt man die Interessenslagen bestimmter Wirtschaftzweige außen vor, sieht die Stromtrassenlösung gar nicht so gut aus:
    Hohe Kosten gehen mit hohen Energieverlusten einher.
    Weht kein Wind, wird die Trasse – zu diesem Zweck – nicht genutzt. Vor Ort ist ein Parallelsystem zur Aufrechterhaltung der Versorgungssicherheit erforderlich. Ein hochaktuelles System und doch technologisch veraltet, da die zentrale Erzeugung weite Transportwege erfordert.
    Ökonomisch und ökologisch sinnvoller scheint ein wirklich dezentraler Ansatz zu sein : Strom wird dort erzeugt, wo er gebraucht wird und dort verbraucht, wo er erzeugt wird.
    Regionale Wind/PV- Kraftwerke auch mit geringerer Ausbeute aus Wind- und Sonnendarbietung, gestalten sich effizient -(er) wegen des rechnerischen Gewinns aus nicht erforderlicher Stromtransportwege.
    Dort, wo die Erzeugung von Wind/PV-Strom den Verbrauch überwiegt – so wie es auch derzeit schon regional der Fall ist – wird der Strom, statt ihn weit und kostenintensiv zu transportieren , chemisch in Wasserstoff (Elektrolyse) und/oder CH4 umgesetzt. Insbesondere CH4 – entspricht dem Erdgas -kann in größten Mengen und über lange Zeit mit akzeptablen Kosten und Verlusten ( Gesamtsystemvergleiche !) gespeichert werden. Die Technologien sind seit Jahrzehnten standarderprobt. Die Gasnetz-und Speicherinfrastruktur ist gerade in D auf europäischem Spitzenniveau.
    Dieser Weg ist mittelfristig ohne besondere technologische und ökonomische Risiken umzusetzen – allerdings wohl kaum parallel zu großen zentralen Systemen mit den geplanten großen Stromtrassen – und ohne Umlenkung von finanziellen Recourssen zum Systemstart. Einzelne Unternehmen, selbst Große, sind bei den derzeitigen Rahmenbedingungen kaum in der Lage, hier großflächig zu investieren wegen der fehlenden Rendite.
    Langfristig kann auf diesem Wege ein System zur Enegiewende geschaffen werden, welches zu effizienten und rechenbaren Klein- und Kleinstanlagen führt, die auf Dauer ohne Stromtransportnetze auskommt – ggfs abgesehen von großen Internationalen Sicherheitsverbindungen und zur Versorgung großer Industrieabnehmer.
    Als energiepolitischer Nebeneffekt stellt sich die erweiterte Unabhängigkeit von Erdgasimporten in Krisenzeiten dar.
    ( Quantifizierbare Fakten , Zahlen, Daten sind lieferbar )
    U.a. siehe Vortrag Prof. Dr. Robert Schlögl, Fritz-Haber-Institut, Max-Planck-Gesellschaft, Nürnber 2013 gat. )

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