Energieflussvisualisierung: „Der Einsatz lohnt sich“

Vor einem Jahr startete KomMA-P gemeinsam mit der Energiewende GmbH aus Nürnberg die Energieflussvisualisierung: Über ein Internettool können die Bewohner der bayerischen Stadt Wunsiedel seither live verfolgen, wann im Ortsteil Schönbrunn wie viel Strom erzeugt und verbraucht wird. Dadurch sollen sie die Energiewende vor Ort besser verstehen und sich daran beteiligt fühlen. Ob dieses Ziel erreicht wurde und wie das Projekt Energieflussvisualisierung weitergeht, erzählt Anne Haug, Mitarbeiterin der Energiewende GmbH.

Anne Haug (Energiewende GmbH Nürnberg)

Anne Haug (Energiewende GmbH Nürnberg)

Frau Haug, vor einem Jahr ist das Online-Portal zur Energieflussvisualisierung gestartet. Erzählen Sie doch noch mal kurz, was die Idee dahinter war.

Anne Haug: Die Idee war, die dezentrale Energiewende, ihre technischen Zusammenhänge, ihre Herausforderungen und Vorteile einem breiten Publikum zu erklären. Einem Publikum, welches über keinerlei Expertenwissen verfügt. Wir betrachten die Energieflussvisualisierung als niederschwellige Partizipationsform nach dem Motto: „Verstehen, sich eingebunden fühlen, akzeptieren und mitgestalten!“. Konkrete Fragestellungen, die beantwortet werden sollten durch die Visualisierung, sind zum Beispiel: Wann stehen welche Energiequellen in welchem Umfang zur Verfügung? Wie passt das mit dem aktuellen Nutzerverhalten zusammen – oder eben nicht zusammen? Was bedeutet die dezentrale Energiewende für die lokale Wertschöpfung?

Wie kommt das Portal bei den Nutzern an?

Anne Haug: Bei den Stakeholdern, also Stadtwerken und Verbänden, und in der Wissenschaftscommunity sehr positiv. Bei den Nutzern vor Ort haben wir positives wie negatives Feedback bekommen. Die Wunsiedler Bevölkerung, die wir zur Visualisierung befragt haben, stellt aufgrund ihres ohnehin starken Engagements für die Energiewende und ihres großen Vorwissens leider nicht den Durchschnitt der Bevölkerung dar. Toll war, dass sich trotzdem Überraschungseffekte ergaben: Die Bürger waren erstaunt über den hohen Grad an Strom-Selbstversorgung in Schönbrunn. Obwohl die Stadtwerke in Wunsiedel schon sehr nah am Bürger sind, lohnt es sich also trotzdem, ein solches Kommunikationstool einzusetzen und über die Besonderheiten der lokalen Energieversorgung zu informieren. Die Benutzerführung auf der Plattform wurde teilweise kritisiert. Voraussichtlich werden wir diese Kritikpunkte aufnehmen und das Tool entsprechend optimieren. Wir haben auch direkte Anregungen zur Weiterentwicklung bekommen: Viele Leute wünschen sich so ein Tool auf Haushaltsebene. Die Nutzungsstatistik ist für das vergangene halbe Jahr mit mehr als 10 Nutzern pro Tag stabil und für einen 300 Haushalte-Ortsteil meiner Ansicht nach in Ordnung.

Würden Sie nach den bisherigen Erfahrungen sagen, dass sich die Menschen durch Energieflussvisualisierung  stärker an der Energiewende beteiligt fühlen?

Anne Haug: Unsere Erfahrungen und die Meinungen aus dem Forschungsprojekt tendieren in die Richtung: Viele Menschen wollen sich eher nicht an der Energiewende beteiligen oder aktiv dafür engagieren. Die Frage ist so ein bisschen, ob man sich damit zufrieden gibt. Oder sollte man zur Beteiligung motivieren? Ich glaube nicht, dass die Energieflussvisualisierung Letzteres leisten kann. Genau weiß ich es nicht, dazu haben wir keine Erhebungen gemacht, aber ich kann es mir schwer vorstellen. Ich glaube, dass die Energieflussvisualisierung jedoch leisten kann, dass die Menschen das Gefühl bekommen: Die Stadtwerke schaffen Transparenz und bemühen sich um ihre Kunden. Und in dieser Hinsicht fühlen sie sich eingebunden. Ich kann mir außerdem vorstellen, dass das Tool mehr Verständnis und Akzeptanz erzeugt für weitere Energieinfrastrukturmaßnahmen oder neue Tarifstrukturen. Aber das sind alles Vermutungen. In dieser Hinsicht bräuchten wir definitiv noch mehr Erfahrungswerte mit der Visualisierung, insbesondere in Regionen, in denen die Menschen mit dem Thema Energiewende noch nicht so vertraut sind.

Wie geht es mit dem Projekt weiter?

Anne Haug: Die Stadtwerke in Wunsiedel werden die Energieflussvisualisierung in jedem Fall ein weiteres Jahr mit unserer Unterstützung betreiben. Wir sind außerdem dabei, das Tool weiterzuentwickeln. Es wurde so programmiert, dass es auch auf andere Settings übertragbar ist. Wir wollen die Energieflussvisualisierung auf weitere Versorgungsgebiete anpassen und sie dort einsetzen. Stadtwerke oder Kommunen, die Interesse daran haben, können sich gerne bei uns melden.

Hier geht es zur Energieflussvisualisierung

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